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Die Felsenzeichnungen von Crero / Gardasee


In steilen Serpentinen steigt die Straße von Torri bergan nach Crero. Tief unten liegt der Gardasee. Vor einem alten Haus am Hang steht ein alter Mann und weist uns den Weg. Er lächelt. Er ist wohl oft selbst hinaufgestiegen und hat dort oben gesessen und über das Leben gesonnen. Ein Fußpfad führt weiter, bald durch den Wald, bald bieten sich weite Ausblicke auf den See. Am Wegesrand steht ein kniehoher Stein. Ein Hufeisen ist eingemeißelt.


Hufeisenstein


Wann der Stein behauen wurde, ist unbekannt. In Peschiera am Gardasee, 20 km Luftlinie von Crero entfernt, hat man Pfahlbausiedlungen aus der Zeit zwischen Jungsteinzeit und Bronzezeit gefunden.

Die Phantasie schweift: Das Pferd ist in der indischen und nordischen Mythologie ein Sinnbild der Kraft. Der Sonnenwagen wird von Pferden gezogen (ind., griech., nord. Mytholgie). Odin, der Todesgott, reitet in windesschnelle auf seinem Ross Sleipnir. Auf der Roßtrappe in Thale findet man einen Hufeisenabdruck in Stein, wie die Archäologen meinen, aus urgermanischer Zeit. Die Sage geht, hier sei eine Königstochter über das tiefe Tal auf den jenseitigen Felsen gesprungen. Sie hat den Abgrund des Todes überwunden.

Der Pfad führt weiter durch den Wald. Links vom Weg steigt ein glatter heller Felsen an. Die Gletscher der Eiszeit haben ihn geschliffen. Die steile Wand verjüngt sich nach oben. Mehrere waagerechte Grasstufen teilen sie.

Gesamtansicht Felsenzeichnungen


Weit schweift der Blick über den tief unten liegenden See bis zum anderen Ufer. Der einsame Platz mit dem weiten Ausblick ist wie für eine Ewigkeitsmeditation geschaffen.


Gesamtansicht Felsenzeichnungen


Gedanken, Sorgen, Begierden bleiben im Tal, wo der Staub wirbelt und die Menschen ohne Rast und Ruh rennen und hasten. Hier ist Ruhe, endlos wölbt sich der Himmel.

Die Petroglyphen sind auf den untersten Steinwänden eingemeißelt. Keiner wird je wissen, wann und warum sie hier geschaffen wurden. Vorstellungen aus der alten Mythologie fallen wie eine Projektion auf die Felsenbilder. Da ist eine nach oben gerichtete Schlange.


Petroglyphe Schlange


In der indischen Mythologie bedeutet sie die aufsteigende geistige Energie. Eine Schlange, die sich in der Waagerechten um sich selbst ringt und in den Schwanz beißt, ist das Symbol der unendlichen Lebensenergie, deren Ende wieder der Anfang ist. Wenn sich diese Energie aber nach oben richtet, erlöst sie sich aus ihren endlosen Wegen und kehrt zu ihrem unerschaffenen Ruhepunkt zurück.

Dann sieht man Leitern, die sich nach oben verjüngen. Stellen sie Bewußtseinsebenen dar?


Petroglyphe Leitern


Einem indischen Mandala gleichen die drei ineinander stehenden Vierecke. Im Mandala bedeuten sie Bewußtseinsebenen, die höher steigen und sich in einem unsichtbaren Mittelpunkt erlösen.


Petroglyphe verschachtelte Vierecke


Dann sind drei stilisierte Menschen zu sehen: Sie strecken die Arme aus, die Hände zeigen nach oben. Ein altes Zeichen für Adoration (Anbetung). Ihre Köpfe sind als Kreis mit einem Mittelpunkt gezeichnet.


Petroglyphe Mensch


Augen, Nase und Mund fehlen. Diese Menschen sehen, riechen und reden nicht. Ihr Wesen ist Erkenntnis geworden. Der Kreis ist in der indischen Mythologie ein Zeichen des ewigen Kreislaufes des Lebens. Der Punkt in der Mitte ist das Unentstande, ewig Ruhende.


Petroglyphe Diesseits und Jenseits


Das Ewigkeitszeichen der Erkenntnis von Diesseit und Jensseit, finden wir auch noch einmal ohne Mensch separat.
Haben unsere Vorfahren, die hier mediert haben, ein Zeichen hinterlassen, dass sie die Idee der Welt gefunden haben und das sich dieser Ort zu Meditaion eignet? Was die Zeichnungen darstellen sollen, wird niemand je beweisen können. Der Platz ist magisch.

Und wenn es nicht so wäre, müßte man es erfinden.


Aufrechter Stein

Stein auf der zweiten Ebene der Felswand


©Antje Riederer, Magistra Latein, Griechisch Philosophie
Sebnitz, 23.11.2019
antje.riederer@hotmail.de