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erstellt 15.11.2017: Antje Riederer ©

Neolithische Kunstwerke als Sinnbilder einer Erlösungsphilosophie

Entdeckung eines astronomischen Observatoriums aus dem Neolithikum in Sebnitz

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Opfertisch, Opferschale und Omphalos in den heiligen Hallen bei Sebnitz

Ein Wanderweg mit weiten Aussichten führt von Sebnitz tief in den Buchenwald. Abgelegen von allen Ortschaften Straßen umfängt den Wanderer hier eine tiefe Ruhe. Der Wald heißt „Heilige Hallen“. Flurnamen sind oft uralt und können Anhaltspunkte für Historiker und Archäologen geben. Heilige Haine oder Heilige Hallen waren oftmals Orte, wo kultische Handlungen vorgenommen wurden.

Nahe einer Quelle am Berghang liegt ein vulvaförmiger Stein mit einer eingemeißelten Schale. Die Schale hat nach einer Seite einen tiefergelegenen Rand, an der das Wasser abfließt. Nach Vergleichen mit anderen Funden könnte es sich um eine neolithische Opferschale handeln.



Opferschale

Der Weg der von der Opferschale auf den Berges führt, heißt Wickelkindweg.

Anmerkung: Dieser Stein wird in der Lokalgeschichte als Taufstein bezeichnet, an dem im 30jährigen Krieg die Kinder getauft wurden. Die Form des Steines und der Schale hat aber keinerlei Ähnlichkeit mit mittelalterlichen christlichen Taufsteinen oder Taufbecken..Bekannt ist aber, dass die Kirche immer wieder heidnische Heiligtümer für sich vereinnahmte und mit eigenen Geschichten versah.

Nicht weit davon entfernt steht ein Steintisch, der bei Wegearbeiten gefunden wurde. Möglicherweise ist es ein Opfertisch gewesen. Das Oberteil über dem Tisch läuft oval im Bogen in einen höchsten Punkt zusammen – eine beliebte und häufige Form in der neolithischen Kunst. (Steinbeile und Votivsteine)



Opfertisch

Quelle, Opferstein und Opferschale könnten auf alte Fruchtbarkeitskulte hinweisen. Bei der Entstehung von Dingen wurde des Todes gedacht und der alles verschlingenden Zeit ein Opfer gebracht, wie das heute noch bei den Hindus in Indien üblich ist. Die Religion der Hindus hat ihre Wurzeln in den Veden, die in der Jungsteinzeit oder in noch früherer Zeit entstanden.

(Siehe Artikel über die geistigen Hintergründe der Jungsteinsteinzeit von Antje Riederer)

Der höchste Berg in der Nähe, ½ Stunde Fußmarsch entfernt, ist der Tanzplan. Der Name könnte darauf hinweisen, dass hier kultische Tänze stattgefunden haben. Weiter wandert man durch die Heiligen Hallen in Richtung Osten und erreicht ein kleines Hochplateau. Von hier schweift der Blick weit über bewaldete Höhen ohne eine Spur menschlicher Siedlungen. Dort wurde der unten abgebildete ovale Stein am Wegesrand gefunden. In der Umgebung gibt es nur kantige Steine. Von der Natur abgeschliffene, runde Formen kommen nur in Flussbetten oder Tälern vor, nicht aber oben auf Bergen. Im Neolithikum wurden längliche Steine als Menhire oder in Steinkreisen aufgestellt. Die Form gleicht dem Omphalos der alten Griechen. Omphalos oder Nabel ist eine Bezeichnung für den Urgrund der Welt, das Urei aus dem sich die Welt entfaltet. Der Nabel ist die Schnittstelle zwischen dem Leben der Mutter und dem neu entstehenden Leben des Kindes. In Delphi war der Omphalos dem Apollon geweiht, dem Gotte des Todes. Steine dieser Form werden von den Indern als Brahman bzw. Lingam verehrt. Der Lingam ist das Symbol des Gottes Shiva, des Gottes des Todes oder des Unentstandenen. Allen gemeinsam ist die ovale längliche Gestalt und die Verbindung mit dem Tod und dem Urgrund des Seins. Bei den Indern meditiert man an abgelegenen Orten über das unentfaltete Sein, um innere Ruhe zu finden, indem man den Tod und die Vergänglichkeit des Seins begreift.



Omphalos, gefunden in den Heiligen Hallen